„Alles bleibt anders“ – Die Geschichtsmesse in Suhl 2026 beleuchtet die Erinnerungskultur im Wandel und die Herausforderungen der Transformationsgeschichte
Vom 26. bis 28. Februar 2026 fand im Ringberghotel in Suhl die 18. Geschichtsmesse der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der DDR-Diktatur statt. Das diesjährige Motto lautete: „Alles bleibt anders. Transformationserfahrungen seit 1989/90“.
Ausgestellte Simson‑Schwalbe als ‚erster Simson‑Vogel‘ in einer humorvollen Käfig‑Installation
Den Eröffnungsvortrag der Geschichtsmesse hielt Basil Kerski, Präsident des Hauses der Geschichte Nordrhein-Westfalen. Der deutsch-polnische Politikwissenschaftler diskutierte mit dem Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt zum Thema „Transformation als Chance für die Demokratie“.
Das dreitägige Forum bot Gelegenheit, sich über neue Ausstellungen, Jugendprojekte, Veranstaltungen, Multimediaprojekte und Publikationen zu informieren. Im Rahmen der parallelen Projektpräsentationen wurden aktuelle Vorhaben vorgestellt. Der Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer (VGD) konnte sich auf dem „Markt der Möglichkeiten“ präsentieren.
Auf vielfachen Wunsch gab es in diesem Jahr auch erstmals ein Exkursionsprogramm in Suhl. Neben Stadtrundfahrten und -spaziergängen wurden Führungen durch das Waffen- und Fahrzeugmuseum sowie das „Haus der Geschichte Suhl“ (ehemaliges Kulturhaus) und das Neue Rathaus (ehemaliges Haus der SED-Bezirksleitung) organisiert.
Die Messe bot neben den Vorträgen, Panels und Diskussionen genügend Zeit, um bestehende Kontakte (Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte, Stiftung Aufarbeitung u.v.m.) pflegen und zu vertiefen sowie neue zu knüpfen. Insbesondere wurde der Kontakt zu thüringischen Kolleginnen und Kollegen gesucht, um neue Mitglieder für den Landesverband zu gewinnen.
An der Goethe-Universität trafen sich Vorstand und Ausschuss des VHD unter Leitung von Prof. Antje Flüchter. Auf der umfänglichen Tagesordnung standen auch den Schulbereich betreffende Punkte, man besprach z.B. ein KMK-Papier zur Gedenkarbeit oder auch die Entwicklungen in Berlin, Schleswig-Holstein und Niedersachen. Die hier erfolgten Absprachen und (für Berlin und Schleswig-Holstein) Erfolge wurden gewürdigt („Was an den Schulen passiert, betrifft dann auch uns!“ A. Flüchter). Niko Lamprecht nahm für den VGD teil und bedankte sich für die gute Kooperation.
Schulkinofilm: Das Ungesagte – Mitläuferinnen im Nationalsozialismus erzählen* Ein Dokumentarfilm über Erinnerung, Verdrängung und Verantwortung
Wie leben Menschen mit der eigenen Rolle im NS-Regime – als Mitläuferinnen, Mitläufer, Wegsehende, Unterstützende? Der preisgekrönte Dokumentarfilm Das Ungesagte von Patricia Hector und Lothar Herzog gibt jenen eine Stimme, die jahrzehntelang schwiegen. Er zeigt, was gesellschaftliches Schweigen mit Erinnerungskultur und Verantwortung heute zu tun hat – und warum das Gespräch darüber befreiend wirken kann.
Ausgezeichnet und empfohlen – Bester Dokumentarfilm beim Hofer Filmfestival 2025 – Empfohlen von der Bundeszentrale für politische Bildung (kinofenster.de) – In Kooperation mit Stiftung EVZ, Topographie des Terrors Berlin u.a. – Mit Unterrichtsmaterial des Verbands der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands
Einsatz im Unterricht Der Film eignet sich besonders für den Geschichts- und Sozialkundeunterricht ab Klassenstufe 9. Er eröffnet Gespräche über moralische Verantwortung, Gruppendruck und die Haltung der „Mehrheitsgesellschaft“ im Nationalsozialismus – mit aktuellem Bezug zu Erinnerungskultur und Zivilcourage.
Schulkino-Vorführungen Schulkinos können den Film direkt über örtliche Kinos buchen (Eintritt meist ca. 5 € pro Schüler*in). Auf Wunsch kann das Regieduo via Zoom im Anschluss für ein Filmgespräch zugeschaltet werden.
„Das Ungesagte“ zeigt, dass das Sprechen über das Unsagbare nicht spaltet, sondern befreit – individuell wie gesellschaftlich. (Naika Foroutan, Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung)
Ausgewählte Zitate von Lehrkräften zu Film und Workshops:
„Der Film ist [zur Verwendung im Schulunterricht] hochgeeignet: Er bringt die Vergangenheit den Schülern sehr persönlich nah.“
(Dr. Helge Schröder, Geschichtslehrer)
„Der Film ist für die pädagogische Arbeit mit Schüler*innen ab Klasse 10 sehr gut geeignet.“
(Dr. Gundula Caspary, Geschichtslehrerin)
„Die Schülerinnen und Schüler haben den Film sehr konzentriert verfolgt, trotz der beträchtlichen und für die SuS ungewohnten Länge. Der Film fand einhellig sehr guten Anklang, hat viele nachdenklich gemacht. Den Film halte ich für geeignet ab der Jgst. 9; gerade für die Jgst. 10 fand ich ihn absolut passend.“
Die vom VGD vehement kritisierte Streichung in der E-Phase wurde vom Ministerium mit beiliegender Erklärung zurückgenommen. Wir begrüßen diese Einsicht. – Der Verband hat auch auf vielen Wegen gegen die Kürzungspläne argumentiert und protestiert, wir danken allen unterstützenden Kräften und dem Landesverband mit Annabel Wohlfahrt für den Einsatz. Niko Lamprecht als Bundesvorsitzender: „Wir begrüßen die Einsicht des Ministeriums, hoffen aber für andere Bundesländer sehr, dass die Verbandsbeteiligung und ergiebige Anhörung von Argumenten stattfindet, bevor solche Kürzungspläne im Bereich eines Faches mit demokratieförderndem Anspruch veröffentlicht werden.“
Nun hoffen wir auch auf eine Einsicht in Niedersachsen (wir berichteten).
Mit einem neuen Maßnahmenpaket „Stark von Anfang an: Mit bester Bildung und Betreuung“ will Schleswig-Holstein die Unterrichtsversorgung an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien deutlich verbessern. Rund 20 Millionen Euro sollen ab dem Schuljahr 2026/27 in zusätzliche Lehrkräftestellen und die Gründung eines landesweiten „Azubiwerkes“ fließen.
Kern des Pakets ist die Aufstockung um 254 zusätzliche Lehrkräfte, davon 200 für die Sekundarstufe I, wodurch die Unterrichtsversorgung an allen weiterführenden Schulen auf 103 Prozent steigen soll. Diese Reserve für Vertretungsunterricht soll den Unterrichtsausfall in der Mittelstufe spürbar reduzieren und zugleich mehr gezielte Förderung, etwa Doppelbelegungen im Unterricht oder zusätzliche Angebote zur Abschlussvorbereitung, ermöglichen. Alle Schulen sollen künftig über ein verbindliches Vertretungskonzept verfügen.
Bemerkenswert aus fachdidaktischer Perspektive ist, dass die Oberstufenverordnung der elften Jahrgangsstufe unverändert bleibt. Nach der Verbändeanhörung hält das Bildungsministerium an der bisherigen Stundenzahl der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer Geschichte, Religion/Philosophie sowie der weiteren Fremdsprache fest und verweist damit ausdrücklich auf die Bedeutung dieser Fächer in „gesellschaftlich herausfordernden Zeiten“. Für Geschichtslehrkräfte ist dies ein wichtiges bildungspolitisches Signal für die Stabilität ihres Faches in der gymnasialen Oberstufe.
Mit dem geplanten „Azubiwerk“ setzt das Land zudem ein Zeichen für die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung. Das neue Angebot soll Auszubildenden bezahlbaren Wohnraum, finanzielle Unterstützung und Beratungsangebote sichern; dafür sind jährlich sieben Millionen Euro vorgesehen. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für Berufsschülerinnen und -schüler spürbar zu verbessern und die berufliche Bildung im Wettbewerb mit dem Studium zu stärken.
VHD-Angebot: Abiturpreis Geschichte für Jahrgangsbeste / Informationen zur Anmeldung
Eine gute – noch nicht so alte und von uns angeregte – Tradition wird fortgeführt, s. Anschreiben und Informationen zur Anmeldung. Dies gibt die Chance einer besonderen Würdigung für erfolgreiche Leistungen im Fach Geschichte – und den Fachschaften Geschichte an Schulen ein zusätzliches „Standing“.
Der VGD hat sich schon länger dieses Angebot gewünscht und dankt dem VHD sehr für die Umsetzung desselben!
„Das stille Verschwinden des Geschichtsunterrichts“ – DIE WELT 12.2.26
shutterstock / Symbolbild
In einem Essay in der Tageszeitung DIE WELT warnt Christine Brinck vor einem „stillen Verschwinden“ des Geschichtsunterrichts an deutschen Schulen. Sie kritisiert, dass Geschichte in einigen Bundesländern mit zu wenigen Wochenstunden auskommen muss, teilweise von fachfremden Lehrkräften unterrichtet wird und in der Oberstufe sogar zum bloßen Wahlfach herabgestuft werden soll. Aus ihrer Sicht gehört Geschichte als zentrales Fach in den Stundenplan, weil nur so demokratische Strukturen, Diktaturen und aktuelle Konflikte – von NS-Zeit und DDR über den Nahen Osten bis zum Krieg gegen die Ukraine – verstanden werden können. Brinck plädiert für einen analytischen, quellenorientierten Geschichtsunterricht, der Fakten klärt, Manipulationen erkennbar macht und jungen Menschen hilft, Fake News und ideologische Deutungen zu durchschauen. Sie schließt mit der Forderung, Geschichte mit ausreichend Zeit und qualifizierten Lehrkräften auszustatten: Schülerinnen und Schüler brauchen Geschichte – und gute Geschichtslehrkräfte.
Der Geschichtslehrerverband teilt diese Einschätzung und setzt sich deshalb entschieden für eine starke Verankerung des Faches, verlässliche Stundenzahlen und gute Ausbildungsbedingungen für Geschichtslehrkräfte ein.
Der vollständige Beitrag ist online bei DIE WELT abrufbar und liegt dort hinter einer Bezahlschranke.
Der Verband der Geschichtslehrkräfte Schleswig-Holstein (VGD SH) nimmt Stellung zur geplanten Änderung der Oberstufenverordnung (OAPVO) und wendet sich gegen die vorgesehene Kürzung des Geschichtsunterrichts. Die Stellungnahme betont die zentrale Rolle des Faches Geschichte für historische Orientierung, demokratische Urteilsbildung und die Fähigkeit, Desinformation kritisch zu begegnen. Kritisiert werden insbesondere die einseitige Verschiebung zugunsten politik- und wirtschaftswissenschaftlicher Deutungsmuster sowie die organisatorischen und qualitativen Folgen für Unterricht, Prüfungsvorbereitung und Lehramtsausbildung. Der VGD SH appelliert an das Ministerium, die Kürzungspläne zu revidieren und die gesellschaftswissenschaftliche Bildung in ihrer Vielfalt zu stärken.
In Schleswig-Holstein gibt es leider auch eine massive Verschlechterung: Geplant ist eine einstündige Oberstufe im E-Jahrgang. Wie das umgesetzt wird, ist noch unklar und den Schulen überlassen. Es könnte vielleicht sein, dass dann ein
Halbjahr Geschichte unterrichtet wird und ein Halbjahr nicht. Die Folgen kann selbst ein Laie schnell vermuten, fraglich ist, wie der Anschluss für die Themen der Q-Phase geschaffen werden soll – es sei denn, man geht von thematischer Beliebigkeit aus und gibt Tiefenschärfe u. Chronologie auf.
Der Landesverband des VGD hatte bis Anfang Dezember die Möglichkeit, eine Stellungnahme hierzu an das Ministerium zu schicken (s. Anhang).
Zudem haben Kollegen des Gymnasiums Heide-Nord eine Petition im Landtag eingereicht, um die Stundenkürzung zu verhindern:
Dort waren sich alle Beteiligten einig, dass eine „Schaukelpolitik“ (Kürzung in Geschichte kommt Politik zugute oder andersherum) grundfalsch wäre. Genau dies scheint jetzt aber hier vorzuliegen. (Niko Lamprecht, Bundesvorsitzender)
Band 1 des Schulbuchs deutsch-russische Geschichte ist veröffentlicht.
1900-1925: Zwischen Revolution und Reform. Vom Zarenreich zur Sowjetunion
Deutsch-russische Geschichte Band 1 in russischer Übersetzung Nun ist Band 1 auch in russischer Übersetzung verfügbar. Flyer und Gesamtband stehen zum Download bereit:
Zum 15. Mai 2025 erscheint Band 1 der deutsch-russischen Schulbuchreihe aus einer Kooperation des Verbands der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands e.V. (VGD) mit dem Nordost-Institut der Deutschen Sektion der deutsch-russischen Geschichtskommission (DRGK) und des Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut (GEI).
Der Bedarf an einer fundierten Auseinandersetzung mit der Geschichte Russlands ist durch den russischen Angriffskrieg (2014 ff.) gegen die Ukraine und die damit einhergehende Instrumentalisierung ausgewählter historischer Ereignisse besonders im Geschichtsunterricht gestiegen.
Die o.g. Partner tragen mit ihren jeweiligen Kompetenzen dazu bei, dass die Unterrichts-materialien historisch fundiert und nach aktuellen didaktischen Standards erstellt werden und direkt im Unterricht eingesetzt werden können.
Durch das Aufzeigen historischer Alternativen und demokratischer Ansätze soll das Narrativ eines autoritären russischen „Sonderwegs“ kritisch reflektiert bzw. in Frage gestellt werden.
Auf quellenkritischer Grundlage analysieren und beurteilen die Lernenden – geleitet von unterschiedlichen Fragestellungen – gemeinsame Darstellungstexte, unterschiedliche Narrative und diskrepante Perspektiven.
Folgende Aspekte werden dabei berücksichtigt: vertiefte Auseinandersetzung mit der Geschichte Russlands in ihren internationalen Verflechtungen; Demokratisierungsprozesse im Konflikt mit traditionellen Herrschaftsstrukturen; die Rolle der deutschen Bevölkerungs-gruppen und der deutsch-russischen Beziehungen.
Band 1 bietet: eine multiperspektivische und problemorientierte Konzeption; sofortige Erschließungsimpulse zu den Quellen und Darstellungstexten; eine Vielzahl kompetenz- und anforderungsorientierter Arbeitsauftrage zu den Materialien.
Seit vielen Jahrzehnten erstellt der VGD e.V. differenzierte Materialien für den Geschichts-unterricht, bspw. für das ZDF und den Wochenschau-Verlag.
Das Team für Band 2 traf sich am 26. April 2025 in Hamburg – in der Helmut-Schmidt-Bundesstiftung
(v.l.n.r.: Ines Stelljes, Peter Stolz, Hans-Christian Petersen, Helmut Schmidt, Helge Schröder, John Borrmann, Peter Tauber)Weiterlesen →
81 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz wird deutlich, dass dieses Thema kaum noch von Überlebenden thematisiert werden kann. Es wird ebenso fast täglich deutlich, dass dies auch an Deutschlands Schulen ein Problem bzw. ein Manko ist, da Antisemitismus und eine schwindende Erinnerung an den Holocaust bzw. sogar die Relativierung desselben zunehmen – aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Der VGD mit seinen zahlreichen Mitgliedern arbeitet an vielen Schulen daran, dass das Erinnern an diesem Tag des Gedenkens nicht zur hohlen Floskel wird. Tagtäglich müssen im Unterricht des Faches Geschichte Fakten erarbeitet werden, entsprechend Lehrplan in bestimmten Jahrgangsstufen auch zum Themenkreis NS-Geschichte und Holocaust. Besonders bei diesem Themenkreis wäre Verschweigen und Vergessen ein großes Problem – oder gemäß Santayana sogar eine Drohung: „Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen“ (G. Santayana). Der VGD fordert in diesem Zusammenhang Rückendeckung von vorgesetzten Behörden, wenn Lehrkräfte im Geschichtsunterricht Haltung zeigen und Konflikte entstehen. Er fordert auch eine einfachere Bezuschussung von Gedenkstättenfahrten zu Orten der Erinnerung, möglichst einheitlich und per abrufbarem Budget für jede Schule mit Sekundarstufe I oder II. Wir fordern dies seit einiger Zeit, besonders mit Blick auf die Themen NS- und DDR-Geschichte, siehe z.B. 25.5.2024 Erkner: Resolution und Plenum zum Umgang mit DDR-Geschichte und mit Gedenkstättenarbeit – Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands e.V. – 27.1.2026, Niko Lamprecht, Bundesvorsitzender
Bundespräsident Steinmeier formuliert hierzu:
ImInterview in der Sendung „ARD extra“richtete sich der Bundespräsident am Abend an alle Jüdinnen und Juden in Deutschland: Ihr seid ein Teil von uns. Deutschland ist nur ganz bei sich, wenn sich Jüdinnen und Juden in unserem Land sicher fühlen können. Dem Antisemitismus dürfe kein Raum gegeben werden, so der Bundespräsident: Jetzt ist Haltung und Handeln gefragt!
Anm.: Der VGD bearbeitet dieses Thema seit Jahrzehnten, nähere Infos siehe unsere Website. Als Beispiel für moderne und videounterlegte Möglichkeiten der unterrichtlichen Thematisierung hier ein Beitrag von VGD und ZDF, der online abrufbar ist:
Senatorin nimmt für Berlin geplante Streichung der Oberstufen-Belegpflicht zur DDR-Geschichte zurück
Stellungnahme Landesverband Berlin Der VGD-Landesverband Berlin hat mit Unterstützung durch den Bundesvorsitzenden im Nachgang zur Debatte um den Stellenwert der DDR-Geschichte an Berliner Oberstufen eine weitere Stellungnahme geschrieben. Wir hoffen künftig auf stärkeren Einbezug vor etwaigen Umstellungen im Fach Geschichte.
Offener Brief zum Thema Geschichte in der Oberstufe in Berlin VGD und BStA haben zusammen ein Schreiben formuliert, mit dem sie eindringlich den verbindlichen Erhalt demokratiegeschichtlich wichtiger Inhalte bzw. Belegpflichten fordern. Den Wortlaut findet man hier:
Großer Erfolg des VGD: Senatorin nimmt für Berlin geplante Streichung der Oberstufen-Belegpflicht zur DDR-Geschichte zurück
Einen besonderen Erfolg hatte der von BStA, VGD-Bundes- und VGD-Landesverband unterschriebene „Offene Brief“ an die Berliner Bildungssenatorin. Nach sehr umfänglicher Berichterstattung in den Medien (s.u.), die dem Berliner Senat u.a. „Geschichtsvergessenheit“ (FAZ) vorwarfen, lenkte Senatorin Günther-Wünsch nach kurzer Zeit (am 16.1.26) ein. Die Kernthemen NS-Zeit und DDR-Geschichte bleiben mit zwei Kurshalbjahren Pflichtstoff in der Oberstufe! Mit dem gesamten Tableau zur Oberstufe (und der Gesamtsituation des Faches in Berlin) ist der VGD Berlin nach wie vor nicht zufrieden, aber so habe man wenigstens einen „Minimalkonsens“ (Lea Honoré, Landesvorsitzende) zur Oberstufe erreicht. Der Bundesvorsitzende Niko Lamprecht wertet das Einlenken des Senats als sehr gutes Zeichen: „Wir müssen unsere Anliegen engagiert einbringen und gut flankieren – mit beharrlicher Argumentation und Herzblut kann man doch Dinge bewegen. Im rbb-Radiobeitrag vom 16.1.26 wurde dies sogar mit dem alten Spruch „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“ kommentiert – jedenfalls ist dem Berliner Landesverband und der Bundesstiftung Aufarbeitung mit Frau Dr. Kaminsky sehr für diese konzertierte Aktion zu danken. – Wir werben nun bei Lehrkräften für das Fach Geschichte um weitere Unterstützung des Verbandes – treten Sie bei, stärken Sie unsere Anliegen.„ – Unter den Medienlinks findet man das Statement der Senatsverwaltung vom 16.1.26.
„Berlin ist als ehemals geteilte Stadt in besonderer Weise mit der Geschichte der deutschen Teilung und Wiedervereinigung verbunden. Die Vermittlung dieser historischen Zusammenhänge ist ein fester Bestandteil des Geschichtsunterrichts und wird auch weiterhin im neuen Rahmenlehrplan berücksichtigt.
Vor diesem Hintergrund hat die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Katharina Günther-Wünsch, den offenen Brief zur geplanten Ausgestaltung der Belegverpflichtung im Fach Geschichte in der gymnasialen Oberstufe, zur Kenntnis genommen. Die darin angesprochenen Punkte wurden zum Anlass genommen, die vorgesehenen Regelungen gemeinsam mit der Fachpraxis einzuordnen und ihre Umsetzung zu präzisieren.
In einem fachlichen Austausch am heutigen Tag verständigten sich Senatorin Günther-Wünsch und die Vorsitzende des Berliner Landesverbands der Geschichtslehrerinnen und -lehrer auf eine Konkretisierung der Belegverpflichtung unter Berücksichtigung rechtlicher wie schulorganisatorischer Rahmenbedingungen.
Es gilt, dass alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend die Kurshalbjahre Q2 (Weimarer Republik und Nationalsozialismus) sowie Q3 (Welt nach 1945) belegen. Damit bleibt die Behandlung zentraler Kapitel der deutschen Geschichte, einschließlich der Zeit nach 1945 und somit der deutschen Teilung, verbindlicher Bestandteil des Geschichtsunterrichts in der gymnasialen Oberstufe.
In Kursen, in denen Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlicher Belegdauer (zwei oder vier Semester) gemeinsam unterrichtet werden, wird die zeitliche Zuordnung der Inhalte des neuen Rahmenlehrplans Geschichte flexibler gestaltet. Konkret bedeutet dies: Im ersten Jahr der Qualifikationsphase werden die Themen der Kurshalbjahre Q2 und Q3 behandelt. Im zweiten Jahr folgen die Inhalte der Kurshalbjahre Q1 (Umbrüche und Revolutionen) sowie Q4 (Erinnern und Gedenken).
Die Verordnung über die gymnasiale Oberstufe (VO-OG) wird entsprechend präzisiert.
Die wachsende Distanz zur Geschichte der Jahre 1933-1945 wird bekanntlich zu einem starken Vermittlungsproblem, verstärkt durch digital „gespreadete“ Fake News, den gesellschaftlichen Wandel und aktive Geschichtsverdrehungen extremistisch aufgestellter Personen.
Für Holocaustüberlebende muss es ein schwer zu ertragendes Erlebnis sein, wenn der Holocaust oder die Folgen von Fremdenhass geleugnet oder relativiert werden. Leon Weintraub feiert am 1.1.2026 seinen 100. Geburtstag und wird dennoch nicht müde, aktiv aufzuklären und Zeugnis abzulegen. Siehe z.B.
Berlin: DDR-Geschichte kein (festes) Thema mehr? Presseerklärung der Bundesstiftung Aufarbeitung
Für die Oberstufe sieht eine Novellierung des Senats vor, für die Oberstufenkurse die freie Wahl einzuführen – worunter die Zeitgeschichte ab 1945 leiden dürfte. Die BStA unterstützt den Berliner Landesverband des VGD beim Bestreben, diesen in die Aktualität führenden Bereich der Geschichte weiterhin als Pflichtthema zu halten. Siehe:
Auch der Bundesvorsitzende Niko Lamprecht bemängelt den Widerspruch zwischen dem öffentlich von der Bildungspolitik vertretenen Wert der Demokratiebildung an Schulen und dem Zurückdrängen des Werts der aktuellen Zeitgeschichte in Lehrplänen.
Unter Mitwirkung des VGD-Bundesvorsitzenden Niko Lamprecht findet der jährliche Fachtag am 5. März statt, Lehrkräfte bzw. Interessenten sind willkommen. Geplant ist auch die Neuaufstellung eines VGD-Landesverbandes Thüringen.
Am 8.12.25 wurde im Beisein von Kulturstaatsminister Weimer das Haus der Geschichte neu eröffnet. Direktor Harald Biermann betonte die Freude, nach fast sechs Jahren Entwicklungsarbeit ein neu sortiertes, stärker digital und partizipativ aufgebautes Angebot präsentieren zu können. Minister Weimer führte in Vertretung von Kanzler Merz, der sich entschuldigte und akute Sicherheitsfragen in London besprach, besonders die demokratiegeschichtlichen Impulse der neuen Ausstellung aus, welche die – trotz aller Krisen oder Anfeindungen – „bewährte Demokratie“ der Bundesrepublik zeigen könnten.
Für den VGD nahmen Niko Lamprecht als Bundesvorsitzender, Dr. Frank Schweppenstette (stv. Bundesvorsitzender) mitsamt Leistungskurs Geschichte (Apostelgymnasium Köln) sowie Dr. Cornelia Herbers-Rauhut als Landesvorsitzende NRW teil. Niko Lamprecht konnte im Gespräch mit Direktor Baumann die Idee einer vertiefenden Kooperation von VGD und HdG weiterführen und sich bei einer ersten Besichtigung zum Konzept der Ausstellung informieren.
„Sei ein Mensch!“: HISTORY Channel schreibt zum 14. Mal Schülerwettbewerb HISTORY-AWARD aus – Marcel Reif und Miss History übernehmen Schirmherrschaft
zum 14. Mal schreibt der HISTORY Channel den Schülerwettbewerb HISTORY-AWARD aus. Marcel Reif und Miss History übernehmen die Schirmherrschaft. Details entnehmen Sie bitte der untenstehenden Pressemitteilung, die wir am Ende dieser Mail auch zum Download bereitgestellt haben. Dort finden Sie auch Bildmaterial.
Aufruftrailer zum HISTORY-AWARD 2026: https://youtu.be/1uGxpgvGHZA
Weitere Informationen zum HISTORY-AWARD 2026 sind unter www.history-award.de, weitere In-formationen zu The HISTORY Channel unter www.history.de, www.facebook.com/HISTORYdeutschland, www.instagram.com/history_de sowie www.youtube.com/historyde zu finden.
Die Sonderausstellung „2 Millionen Jahre Migration“ (22.11.2025–1.11.2026) im Neanderthal Museum zeigt, dass Migration seit den Anfängen der Menschheit ein grundlegender Motor für biologische, kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen war. Auf Grundlage aktueller Forschung beleuchtet sie Ursachen, Wege und Auswirkungen historischer und moderner Wanderungsbewegungen und schafft damit einen faktenbasierten Zugang zu einem Thema, das unsere Gegenwart entscheidend prägt.
Für Schulklassen bieten wir die interaktive Führung „Mensch in Bewegung – Migration damals und heute“ an. Sie vermittelt altersgerecht die historische Dimension von Migration, zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen frühen und heutigen Mobilitätsmustern und fördert das Verständnis für Migration als beständigen Bestandteil der Menschheitsgeschichte.
Der Workshop „Humans on the Move: Flucht, Migration und Klimawandel“ richtet sich an Klassen 5–13. Er verbindet globale Gegenwartsfragen mit historischer Perspektive und thematisiert die Zusammenhänge zwischen Umweltveränderungen, Fluchtursachen und globaler Ungleichheit. Durch Übungen, Rollenspiele und Reflexionsphasen stärken die Schülerinnen und Schüler Empathie, Urteilskompetenz und nachhaltiges Denken.
Bundespräsident Steinmeier befördert als Schirmherr diesen „Demokratietag“, an dem man – Anmeldeschluss 10.12. – sich als Anbieter noch beteiligen kann. Die Stiftung Orte der Demokratiegeschichte freut sich auf Beteiligung!
von Sophie Müller vom Hofe und Andreas von Westphalen
Eine siebenteilige Podcast-Serie über Fremdheit und Nähe zwischen West- und Ostdeutschland
Ostalgie verflogen, Fronten verhärtet, Klagen von allen Seiten: 35 Jahre nach der Einheit stellen sich alte Fragen neu. Warum fühlen sich viele Ostdeutsche bis heute nicht gesehen? Und warum gibt es so wenig echtes Verstehen zwischen Ost und West? Das glücklichste Volk der Welt stellt sich diese Fragen in sieben Episoden – persönlich, politisch und historisch. Die ostdeutsche Radioautorin Sophie Müller vom Hofe und der westdeutsche Journalist Andreas von Westphalen graben sich durch Archive, sprechen mit Zeitzeugen und Experten – und konfrontieren auch sich selbst mit blinden Flecken. Was sie dabei entdecken: Wie nah Geschichte rückt, wenn Menschen persönlich erzählen. Geforscht wird in Gesprächen, in Büchern, in der eigenen Erfahrung. So entsteht eine Reise durch das kollektive Gedächtnis – rückwärts von heute bis 1945. Jede Folge widmet sich einem zentralen Thema: Identität, Rechtsextremismus, Besitz, Widerstand, Heimat, Werte, Einheit. Erzählt wird in einer Mischung aus Reportage, Gesprächen, Sounddesign, wissenschaftlicher und literarischer Reflexion. Eine Sendung über Erinnerung, Zugehörigkeit, Ausgrenzung und die Hoffnung, einander besser zu verstehen. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Ettersberg, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.
Die Veranstaltung am 5.11.25 war vom Kultusministerium Hessen organisiert und fand in Wiesbaden statt. Niko Lamprecht nahm für den VGD teil und brachte Praxisperspektiven in das Podiumsgespräch ein. Kultusminister Schwarz dankte in einem Statement dem Verband und seinem Vorsitzenden für eine „klare Haltung“ in Extremismusfragen und sein aktives Einbringen von Impulsen zum Schutz vor Geschichtsverdrehungen, nationalen Mythen oder Fake News.
Fotos: R. Horstkötter (Kultusministerium Hessen, freigegeben)
Lehrkräfte und weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer
nehmen die historische Bedeutung der polnisch-französisch-deutsche Zusammenarbeit sowie des wechselseitigen kulturellen Austauschs wahr und stärken so ihr Bewusstsein für die große Bedeutung der zukünftigen Zusammenarbeit der drei Staaten für die Einzelstaaten und den gesamten europäischen Kontinent.
können ihrem Unterricht, der stark durch eine nationalstaatliche Perspektive geprägt ist, eine polnisch-französisch-deutsche Binnenperspektive hinzufügen und gesamteuropäische Perspektiven stärken, indem sie anhand von ausgewählten Schlaglichtern die wechselvollen polnisch-französisch-deutsche Beziehungen analysieren und eigene Unterrichtsideen entwickeln.
Mittwoch, der 05. November 2025, 14:30 Uhr-18:30 Uhr
Ort:
Diltheyschule
Georg-August-Straße 16
65195 Wiesbaden
Adressaten:
Die Veranstaltung richtet sich an Lehrkräfte, insbesondere für die Fächer Geschichte sowie Politik und Wirtschaft und an ein interessiertes Publikum.
Zeiten
Geplanter Ablauf:
14:30- 14:50
Begrüßung durch das HMKB Grußwort des Herrn Generalkonsuls Nicolas Marie Emmanuel Bergeret (Generalkonsulat Frankreichs in Frankfurt). Grußwort des Herrn Generalkonsuls Marek Gluszko (Generalkonsulat Polens in Köln)
14:50- 15:30
Akademischer Vortrag: Von der Verbrüderung der Völker zum nationalen Antagonismus. Transnationale Perspektiven zur Dynamik innerhalb der liberal-nationalen Bewegung 1830-1850. Referent: Herr Ansgar Kemmann (Bürgerverein Demokratieort Paulskirche e. V.)
15:30-16:10
Gesprächsrunde: Transnationale Perspektiven im Geschichtsunterricht. Wie kann die Bedeutung der französisch-deutsch-polnischen Beziehungen hervorgehoben werden? Teilnehmer:Herr Emmanuel Beaufils (Attaché für Sprache und Bildung am Institut Français in Düsseldorf) Herr Dr. Dominik Pick (Wissenschaftlicher Sekretär der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission) Herr NikoLamprecht (Bundesvorsitzender des Verbands der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands e.V.) Frau Bettina Wiesmann (Bürgerverein Demokratieort Paulskirche e. V.)
16:10-16:30
Pause
16:30-16:45
Redebeitrag von Kultusminister Armin Schwarz
16:45-17:00
Wechsel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Workshops
17:00-18:30
Workshops:
Kurzbeschreibung
Workshop 1:Europäische Werte im Geschichtsunterricht: aus den Erfahrungen der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission der Historiker und Geographen Referent: Herr Dr. Dominik Pick (Wissenschaftlicher Sekretär der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission)
Workshop 2: Die Gedenkstätte Trutzhain als Lernort und Mahnmal Referentin: Frau Daniela Forst (Abgeordnete Lehrkraft an der Gedenkstätte Trutzhain)
Workshop 3: Das Digitalportal: „Flucht und Vertreibung im Europäischen Kontext“ Referent: Agnes Maria Brügging-Lazar (BdV Hessen)
Seine Rede in Schloss Bellevue am 9.11. fand ein großes öffentliches Echo. Ausgehend von den „Wegmarken“ 1918, 1938 und 1989 rief Steinmeier zum aktiven Einsatz für die Demokratie auf, auch im Bildungsbereich. Aus der Geschichte habe man gelernt, was komme, wenn man diesen Einsatz versäume.
Die Passage, die für Schulen interessant ist:
„… Wehrhaft zu sein, das heißt: Kommunalverwaltungen, die Polizei, die Bundeswehr, Lehrerinnen und Lehrer an Schulen, Hochschullehrer – sie alle müssen für unsere Werte einstehen, unmissverständlich, Tag für Tag. Natürlich müssen die Beamtinnen und Beamten in der Ausübung ihres Amtes neutral sein im parteipolitischen Sinn. Sie dürfen aber nicht neutral sein, wenn es um den Wertekanon unseres Grundgesetzes geht. Sie müssen sich zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen und für sie eintreten.
1949 haben sich die Mütter und Väter des Grundgesetzes nicht vorstellen wollen, dass erneut erklärte Gegner der Demokratie in Schaltstellen der Politik und des öffentlichen Dienstes eindringen könnten. Das gilt es zu verhindern, insbesondere da, wo diejenigen Dienst leisten, die unsere demokratische Ordnung im Inneren und nach außen schützen – und die dafür Waffen tragen, also Polizei und Bundeswehr.
Wer sich gegen den freiheitlichen Kern unserer Verfassung stellt, der kann nicht Richterin, Lehrer oder Soldat sein. Verfassungsfeinde können auch von der Wahl zur Landrätin oder zum Bürgermeister ausgeschlossen werden. So ein Ausschluss ist nicht per se undemokratisch. Im Gegenteil: Er ist Ausdruck der wehrhaften Demokratie!
Für den VGD nahm Niko Lamprecht an der Veranstaltung teil, übrigens gemeinsam eingeladen mit Professorin Anja Flüchter (VHD-Vorsitzende). In einem kurzen Gespräch mit dem Bundespräsidenten brachte er im demokratiegeschichtlichen Zusammenhang die Idee einer Anschubfinanzierung (Budget- oder Gutscheinsystem) für Gedenkstättenfahrten an, die auch in Resolutionen mit dem VHD und den DDR-Gedenkbeauftragten gefordert wurde.
9.11.2025 12h Livestream aus Schloss Bellevue, Veranstaltung zum 9. November mit Bundespräsident Steinmeier
„Das Ungesagte“ – die große „Verdrängung“ bzw. die Perspektive von Mittäterinnen und -tätern nach 1945 – didaktisiertes Filmmaterial
Mit dem Dokumentarfilm Das Ungesagte (Kinostart: 6. November 2025) legen Patricia Hector und Lothar Herzog eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Schweigen deutscher Familien nach 1945 vor. Das Ungesagte lädt Lernende ein, das Schweigen der Vergangenheit kritisch und empathisch zu hinterfragen.Der Film bietet vielfältige Ansatzpunkte für den Unterricht: zur Thematisierung von Erinnerungskultur, familiärer Verantwortung, psychologischer Verdrängung und kollektiver Schuld. Geeignet sind Filmgespräche, Projektwochen, Schreibaufgaben oder Interviews zur eigenen Familiengeschichte.
Zum Film ist ein umfassendes Filmheft mit 48 Seiten Informationen, Projektideen, Hintergründen und konkreten Arbeitsblättern erschienen, dass in Kooperation mit der AK Medien des VGD entstanden ist. Dieses können Sie hier herunterladen. (Für den AK Medien: Dr. Helge Schröder)
… kein zweitrangiger Gedenktag. VGD erstellte in diesem Bezug zahlreiche Materialien.
Der 9. November ist kein Feiertag geworden, obwohl er – nach der „Friedlichen Revolution“ bzw. dem „Mauerfall“ – zeitweise in der Diskussion hierfür war. Auch durch den Willen von Helmut Kohl wurde dann aber entschieden, den 3. Oktober als „Einheitstag“ zum Feiertag zu erheben und dafür den 17. Juni zu streichen.
Dies hatte auch mit den zwiespältigen Aspekten des Tages zu tun – der 9. November erscheint in ganz unterschiedlichen Schattierungen, die jede Gedenkrede zu einem Balanceakt werden lassen:
1848 wird dieses Datum mit der Hinrichtung von Robert Blum verbunden – in Wien geriet der zur Unterstützung der dortigen Revolutionäre herbeigeeilte Paulskirchenabgeordnete damals in die Hände des habsburgischen Militärs, sein Abgeordnetenstatus rettete ihn nicht.
1918 wird der Tag mit der „Novemberrevolution“ bzw. doppelten Republikausrufung verbunden – der Tag des Zusammenbruchs der kaiserlichen Ordnung war der Beginn einer von Demokraten ersehnten Republik, die vielfältigen Belastungen ausgesetzt war.
1923 wirkt der gescheiterte Hitler-Ludendorff-Putschversuch in München wie ein Überdeckungsversuch des 9.11.1918 bzw. der von Hitler bekämpften Republikgründung durch sogenannte „Novemberverbrecher„, der 9. November sollte neu „eingeschrieben“ werden in das Buch der Geschichte.
1938 ist es in diesem Sinn kein Zufall, wenn in der vom NS-Regime gelenkten „Reichspogromnacht“ um den 9.11. herum Synagogen in Deutschland brennen und zerstört werden und jüdische Mitbürger verstört feststellen, dass ihre körperliche Unversehrtheit keineswegs mehr geachtet wird.
1989 führt der sogenannte „Mauerfall“ zur „Friedlichen Revolution„, die DDR bzw. deren SED-Regime bricht schnell zusammen und das geteilte Deutschland kann – nach vielen „Runden Tischen“ und den ersten freien Wahlen im März 1990 sowie intensiven internationalen Verhandlungen – den Weg zur deutschen Einheit einschlagen.
Ein „Schicksalstag der Deutschen„? Jedenfalls ein vielschichtiger Tag, kein Datum für Triumphfeiern, aber für Vergleiche – und für die Dankbarkeit, in einer Demokratie zu leben, die diese Vergleiche aushält und befördert. Schülerinnen und Schüler in Deutschland sollten zu diesem Tag Grundkenntnisse haben und ihn einordnen können.
Für den Geschichtsunterricht gibt es hierfür zahlreiche Quellen und Materialien, die auch der VGD mit erstellt hat, siehe z.B.
Oktober 2025: In Berlin droht die faktische Kürzung des historisch-politischen Unterrichts in der Sek. I, da die Schulen selbst aus ihren Kontingenten Stunden für die Berufsorientierung „freischneiden“ sollen. Die Berufsorientierung wird aber gewiss nicht zu Kürzungen in Mathematik oder Englisch führen, sondern pragmatisch an den meisten Schulen den Fächern Politik oder Geschichte zugeordnet werden – beides wäre fatal. Siehe Stellungnahme des Landesverbandes Berlin.
„Mit Sorge betrachtet der Bundesverband die Diskrepanz zwischen das Fach Geschichte wertschätzenden Erklärungen aus der Politik und dann stattfindenden strukturellen Maßnahmen, die dem in der Realität widersprechen. Im Mai 2024 hatte Senatorin Günther-Wünsch auf der DDR-Gedenkstättentagung in Erkner in meinem Beisein ihre große Wertschätzung der Rolle des historisch-politischen Unterrichts zum Ausdruck gebracht – nun sehen wir jedoch die Gefahr, dass in Berlin selbst dieser Fachunterricht faktisch unter Kürzungsdruck gerät. Historisches Bewußtsein, Faktenchecker- und damit auch Demokratiekompetenzen brauchen aber genügend Unterrichtszeit und fundierten Fachunterricht!“ (Niko Lamprecht, Bundesvorsitzender VGD)
Stellungnahme des Landesverbandes Berlin
Stellungnahme zum Informationsschreiben vom 02.10.2025 zum Erlass der Verordnung zur Änderung der Sekundarstufe I-Verordnung (Sek I-VO). An die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie
Sehr geehrte Frau Senatorin Günther-Wünsch,
der Berliner Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer begrüßt die Förderung der Berufsorientierung generell und auch an den Gymnasien und sieht hier einen wichtigen Baustein in der Entwicklung und Ausbildung unserer Schülerinnen und Schüler.
Die vorgelegte Verordnung der Änderung der Sek I-VO überlässt es jedoch erneut den Schulen, eigene Lösungen zu finden, die Berufsorientierung umzusetzen. Kollegien müssen eigenständig entscheiden, an welchen Pflicht- oder Wahlpflichtunterricht die eine Wochenstunde Berufsorientierung in der 9. Klasse angebunden wird. Die Einführung der verpflichtenden Unterrichtsstunde Berufsorientierung bei Beibehaltung der Stundentafel entspricht der Parole, dass die mit dieser Zusatzlast versehenen Schulen auch noch eine Selbstbeschneidung vollziehen müssen. Sie bedeutet zwangsläufig, dass bei Fächern gekürzt wird – dies wird in aller Regel den politisch-historischen Bereich betreffen, da kaum eine Schule themenentferntere Fächer wie Englisch oder Mathematik für die Berufsorientierung beschneiden wird.
In Anbetracht der bereits seit Jahren andauernden Marginalisierung und Kürzung im Bereich der Gesellschaftswissenschaften kann diese erneute Kürzung auf keinen Fall im Fach Geschichte durchgeführt werden. Der gemeinsam mit dem Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands beschlossenen Erklärung vom 18.09.2025 in Bonn möchten wir Nachdruck verleihen: Geschichtsunterricht ist unentbehrlich für die Demokratiebildung und muss als eigenständiges Fach in allen Schulformen unterrichtet werden. Der Rahmenlehrplan schreibt für die Jahrgangsstufe 9 die Beschäftigung mit „Demokratie und Diktatur“ vor (Erster Weltkrieg, Weimarer Republik, Ideologie und Herrschaft des NS, Zweiter Weltkrieg und Holocaust, Widerstand gegen die NS-Herrschaft und Erinnerungskultur). Um diese zentralen Themen unterrichten zu können, braucht es eine angemessene Unterrichtszeit, was bedeutet, dass das Fach Geschichte in der Sek I in allen Klassenstufen im Umfang von mindestens zwei Wochenstunden unterrichtet werden muss. Dies ist in Berlin bereits jetzt kaum der Fall, eine weitere Vermischung der Fächer widerspricht einer angemessenen Zeit und einer gesicherten Fachlichkeit. Fachlehrkräfte müssen Geschichte unterrichten.
Geschichte ist ein zentrales Demokratiefach, Schülerinnen und Schüler sollen an den historischen Inhalten Denk- und Arbeitsweisen des Faches erlernen und den öffentlichen Umgang mit – sowie politischen Missbrauch von – Geschichte reflektieren können.
Wir fordern daher, dass tragbare Lösungen gefunden werden, die den Bereich der historisch- politischen Bildung nicht weiter beschneiden, denn im Sinne nachhaltiger Demokratiebildung in Berlin muss das eigenständige Schulfach Geschichte zweistündig erhalten bleiben!
Landesverband Berlin des VGD e.V. Lea Honoré (Vorsitzende) und Niels Wienrich (stellvertretender
Der 35. Jahrestag der Wiedervereinigung bietet Anlass zum Feiern – und zur kritischen Reflexion. Der Jubel der ersten Jahre nach 1990 ist längst verebbt, Umfragen und gemischte politische Statements zeigen z.T. ernüchternde Ergebnisse. An den Schulen wird das Thema DDR bzw. Nachkriegsgeschichte und „Wendezeit“ standardmäßig in Geschichte (Jg. 10 bzw. Abschlussjahr der Sek. I und nochmals in der Oberstufe) behandelt. Die KMK sowie die Ständige wiss. Kommission der KMK ordnen das Thema – genau wie die NS-Zeit – stark dem Bereich der Demokratiebildung zu, was aus Sicht des VGD sehr sinnvoll ist. Es besteht auch länderübergreifend zumindest darin Einigkeit, dass das Thema zur Demokratiegeschichte bzw. -bildung einen Beitrag leistet und wichtig ist. Die lehrplanmäßige Verankerung ist aber weiterhin sehr unterschiedlich, die Sicht auf das Thema verändert sich zunehmend. Problematisch ist in erster Linie, dass in der „alten“ Bundesrepublik eine Tendenz zur Gleichgültigkeit zunimmt, da die Erlebnisebene zu 1989/90 bzw. der Zeit davor immer blasser wird – und in den ehemaligen DDR-Gebieten sogar „Ostalgie-Wellen“ zunehmen, gern in Verbindung mit antidemokratischen Narrativen bzw. Haltungen (vgl. DDR als angeblich im Kern rein fürsorglicher Sozial- oder sogar als Rechtsstaat), die eine Art „Mauer in den Köpfen“ aufbauen wollen und den Blick von der zweiten Diktatur auf deutschem Boden abwenden. Es ist kein Zufall, dass Lehrkräfte mittlerweile regional von abnehmendem Interesse oder sogar Gegenwind berichten – DDR-Gedenkstättenfahrten „laufen“ z.B. nicht immer von alleine, da Eltern sie z.T. nicht mehr für wichtig bzw. bezahlwürdig halten. Auf Pausenhöfen tauchen auch Kappen mit der Aufschrift „Ostdeutsch!“ auf.
Demgegenüber fordert der VGD im Einklang mit den DDR-Landesbeauftragten Rückenwind von der Politik, um neben kompetentem Geschichtsunterricht unkomplizierter und mit einheitlichen Regeln Zeitzeugen- oder Gedenkstättenveranstaltungen planen zu können – siehe die Erklärung von Erkner 2024* mit dem Wunsch nach einer einfach abrufbaren Bezuschussung solcher Angebote. Engagierte Lehrkräfte sollten bei den sowieso aufwändigen Aktivitäten dieser Art unterstützt werden und nicht noch ein Finanzproblem meistern müssen! Fachlich einigermaßen fundierte Kenntnisse zur DDR und Bundesrepublik 1949-1989 befördern den Vergleich zur Gegenwart und zur Zeit vor 1945 – beides ist wichtig für künftige mündige Staatsbürger. (*Erklärung von Erkner s. https://geschichtslehrerverband.de/25-5-2024-erkner-resolution-und-plenum-zum-umgang-mit-ddr-geschichte-und-mit-gedenkstaettenarbeit/)
Der Verband arbeitet mit Partnern wie der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte auch weiter an griffigen und modernen Videos und Unterrichtsmodulen zum Thema, die online jederzeit abrufbar sind. Siehe z.B.Volksaufstand in der DDR – Der 17. Juni – ZDF goes Schule
Die im Artikel genannte mögliche Abwahl von Geschichte vor der Oberstufe ist so nicht richtig. Z.T. ist dies in der Oberstufe möglich, dies bedürfte dann aber landesspezifischer Erklärungen, die den Rahmen des Artikels sprengen würden.
Das Thema Holocaust allein füllt kein Halbjahr. Richtig wäre also für den zitierten Abschnitt:
… Lehrer: Geschichte findet oft nur als Mischfach statt
„Ereignisse mit 80 Jahren Abstand wirken auf viele Jugendliche ähnlich fern wie die Antike“, sagt Niko Lamprecht, Bundesvorsitzender des Verbands der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands, zur FR. Viele Jugendliche würden in der Sek. I nur wenig Geschichtsunterricht erhalten bzw. an Gesamtschulen Geschichte nur als Mischfach unterrichtet bekommen. „In diesem Rahmen werden Erdkunde, Politik oder Sozialkunde und Geschichte gemeinsam behandelt“. Doch Lamprecht betont auch: „Der Holocaust ist ein inhaltlicher Schwerpunkt, keine zweiwöchige Randnotiz“ – und das Thema Nationalsozialismus mit Anbahnung und Folgen werde in jeder gymnasialen Oberstufe in der Regel ein ganzes Halbjahr lang unterrichtet. …
Thomas Jansen diskutiert im Artikel „Historiker und ihre Superkraft“, wie die Geschichtswissenschaft zur Stärkung der Demokratie in Deutschland beitragen kann. Ausgangspunkt ist eine Rede von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der Historikern eine besondere „Superkraft“ zuschreibt: die Fähigkeit, historische Ereignisse kritisch zu hinterfragen, Informationen zu überprüfen und verschiedene Perspektiven aufzuzeigen.
Im Text wird betont, dass Historiker mit ihrer kritischen Methode helfen können, differenzierte Urteile zu entwickeln. Besonders wichtig ist die Fähigkeit, nicht bei einer absoluten Sichtweise zu bleiben, sondern unterschiedliche Ansichten und Interpretationen zu erkennen. Dies wird als zentral für eine demokratische Gesellschaft angesehen.
Außerdem geht der Artikel auf die aktuelle Erinnerungs- und Erinnerungskultur in Deutschland ein. Insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus erfordert ein klares Bewusstsein für historische Fakten und eine kritische Distanz zu einfachen Erzählungen.
Am Ende wird deutlich gemacht, dass Geschichtsunterricht in Schulen und das kritische Nachdenken über Geschichte für die Demokratie unerlässlich sind – besonders mit Blick auf die Verbreitung von Falschinformationen in sozialen Medien.
Neben den im Artikel – siehe Historikertag: Wissenschaftler mit Superkraft? | FAZ – erwähnten Punkten wäre aus VGD-Sicht noch anzumerken, dass Geschichtslehrkräfte mit ihrer „Superkraft“ sich gewiss nach Kräften um saubere Fachlichkeit, das Checken historischer Fakten, Demokratiebildung und motivierte Lerngruppen kümmern. Der gesellschaftliche Gegendruck (vgl. Rechtsruck, Antisemitismus, digitale Spreader von Fake News usw.) nimmt dennoch zu, was nicht ein Fach allein ändern kann. Leider bekommen viele Schülerinnen und Schüler auch nur fachfremden Unterricht oder Geschichte im „Verbundfach“ (Modell an vielen Gesamtschulen), was auch engagierte Lehrkräfte – die vielleicht Erdkunde oder Politik studierten – schlecht ausgleichen können. In einem Verbundfach ist die Fachlichkeit – und damit für Geschichte meist das Handwerkszeug der Quellenkunde und des Quellenvergleichs – gefährdet, die Kund- bzw. Schülerschaft wird hier z.T. nicht fachgerecht versorgt, was man den Lehrkräften gar nicht vorwerfen kann. (Etwas bissiger Vergleich: Man würde ja mit Zahnschmerzen nicht gern zu einem Handchirurgen gehen, der ja auch „irgendwie“ Mediziner ist und hilfsweise die Zahn-OP machen soll.)
Anzumerken ist noch, dass für die „Superkraft“ auch ein Anschub (z.B. ein vereinfachtes und einheitliches Zuschussprinzip für Gedenkstättenfahrten oder historische Exkursionen) der Politik nötig ist. Geschichte leistet gern seinen Anteil zur Demokratieförderung und „Faktencheckerkompetenz“, braucht aber Rahmenbedingungen. Hierzu siehe auch:
Der Dokumentarfilm DIE MÖLLNER BRIEFE ist in den Kinos. Inzwischen haben sowohl kinofenster, die Seite der Bundeszentrale für politische Bildung, und auch VISION KINO Begleitmaterial veröffentlicht. Sie finden hier unten nochmal eine kurzen Text dazu inklusive Links. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie in Ihrem kommenden Newsletter darauf hinweisen könnten und auch die Homepage mit diesem so wichtigen Film ergänzen.
Pädagogisches Begleitmaterial zum Film
Das Material wurde von VISION KINO zum Kinostart erstellt und richtet sich an Schüler*innen ab der 8. Klasse für die Unterrichtsfächer: Politik, Geschichte, Ethik, Religion, Deutsch, Sozialkunde, Medienkunde, Philosophie, Pädagogik, fächerübergreifend: Demokratiebildung. Themen sind: Rassismus, Erinnerungskultur, gesellschaftliche Ausschlüsse, Solidarität, Zivilgesellschaft, Repräsentation, Trauma, Empowerment, Selbstwirksamkeit, Aktivismus. Herunterladen können Sie es hier: https://www.visionkino.de/filmtipps/filmtipp/die-moellner-briefe/
Die Bundeszentrale für Politische Bildung wählte DIE MÖLLNER BRIEFE zum Film des Monats und stellt auf ihrem Portal kinofenster.de ein umfängliches Dossier für die Arbeit mit dem Film bereit, das neben Arbeitsblättern und einer Materialsammlung aus Zeitdokumenten, auch ein Interview mit der Regisseurin umfasst: https://www.kinofenster.de/filme/filme-des-monats/200524/die-moellner-briefe
Im November 1992 zerstörte der rassistische Brandanschlag von Mölln die Leben von İbrahim Arslan und seiner Familie. Der damals siebenjährige İbrahim überlebte, verlor aber seine Schwester, seine Cousine und seine Großmutter. Die Stadt Mölln erhielt Hunderte Briefe mit Solidaritätsbekundungen, von denen aber fast drei Jahrzehnte niemand Notiz nahm. Der Film folgt İbrahim bei der Entdeckung dieser Briefe und bei der Begegnung mit drei ihrer Verfasser*innen. Zugleich zeichnet er ein komplexes Porträt des anhaltenden Traumas, das İbrahim und seine Geschwister bis heute beeinträchtigt. İbrahim hat einen Umgang mit den Geschehnissen gefunden, indem er aktiv gegen Rassismus kämpft und sich für eine Erinnerungskultur einsetzt, die die Opfer ins Zentrum stellt. Sein Bruder Namik hingegen befindet sich noch am Anfang seines Wegs der Bewältigung. Der Film beleuchtet nicht nur die Erfahrungen der Überlebenden, er deckt auch die große Solidarität auf, die es damals gab – eine Solidarität, von der die Opfer bis zu diesem Zeitpunkt nichts wussten. Er schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und nimmt eine Perspektive des Erinnerns ein, die den Stimmen der Betroffenen den Raum und die Anerkennung gibt, die sie verdienen.
Den vorläufigen Trailer finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=dGCj1jINIEw