Vom 30. September bis zum 2. Oktober 2026 fand an der Universität Bielefeld die Zweijahrestagung der Konferenz für Geschichtsdidaktik (KGD) unter dem Motto „Unsichere Zeiten – Geschichtsdidaktik in der Demokratie“ statt. Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen diskutierten über die Rolle von Geschichtsdidaktik und -unterricht in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung. Besonders erfreulich war die Zusammenarbeit mit dem Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands (VGD): Der Bundesvorsitzende Niko Lamprecht richtete ein digitales Grußwort an die Teilnehmenden, während Dr. Frank Schweppenstette an der Podiumsdiskussion „Geschichtsunterricht und Gedenkstättenarbeit unter Druck. Eine Ortsbestimmung in autoritären Zeiten“ mitwirkte. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen, denen sich Geschichtsunterricht und Gedenkstättenarbeit angesichts zunehmender autoritärer und geschichtsrevisionistischer Tendenzen gegenübersehen. Die KGD dankt den Bielefelder Organisator:innen für die gelungene Tagung und dem VGD für die konstruktive Zusammenarbeit. (Prof. Sebastian Barsch, KGD-Vorsitzender)
Grußwort Niko Lamprecht (VGD-Bundesvorsitzender) – Transkript

Sprecher: Niko Lamprecht, Vorsitzender des Verbands der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands (VGD)
Anlass: Videogrußwort zur Tagung der Konferenz für Geschichtsdidaktik (KGD) in Bielefeld
Dauer: ca. 2:48 Min.
[00:00] Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung der Konferenz für Geschichtsdidaktik in Bielefeld,
gerne wäre ich persönlich gekommen und hatte auch schon zugesagt, denn es ist mir wichtig, dass der VGD, die KGD und der VHD zusammen auftreten. Aber wie das Leben so spielt: Mein Sohn hat beschlossen, eine Japanerin zu heiraten. Das findet in Tokio statt, und ich habe mich erkundigt – Anfang Oktober, der öffentliche Nahverkehr wird das nicht ganz schaffen. Ich muss also leider per Online-Videogrußwort erscheinen, anders geht es nicht. Aber ich habe als Stellvertreter Herrn Dr. Frank Schweppenstette geschickt, und er wird hervorragend vertreten sein und Rede und Antwort stehen, wenn Sie möchten.
[00:37] Ich möchte drei Gedanken vermitteln.
Es ist in diesen Zeiten unglaublich wichtig, dass wir die Trias der drei großen Verbände – VHD, KGD und VGD – sehen, erkennen und noch viel stärker ausbauen als bisher. Wir müssen schauen, dass wir außerhalb der Verschiedenheiten der unterschiedlichen Sichtweisen, die es sicherlich gibt, das gemeinsame Interesse erkennen, das Fach Geschichte zu stärken, zu verteidigen, vielleicht ja sogar auszubauen. Und an den Schulen wird da die Basis gelegt, die dann in die Ausbildung geht, in die Didaktik, in die Wissenschaft. Wir müssen das viel stärker als bisher, behaupte ich – und ich glaube, da bin ich mit Sebastian Barsch einer Meinung –, gemeinsam vertreten, nach außen tragen, verteidigen und stärken.
[01:22] Das Thema der Tagung, „Unsichere Zeiten“, passt hierzu natürlich hervorragend. Nichts ist mehr selbstverständlich. Alte Gewissheiten brechen auf. Ich will das weltpolitisch gar nicht weiter aufblättern, das verzettelt sich zu sehr. Aber wir merken das auch an den Schulen. Es bläst teilweise ein harter Wind. Selbstverständlichkeiten werden infrage gestellt. Sichere Stundentafeln, sichere Zuteilungen für das Fach Geschichte, sichere Lehrpläne – sie stehen enorm unter Druck.
[01:49] Auch hier müssen wir also sagen: Wir müssen zusammenstehen, um Fachlichkeit zu bewahren, um die Qualität der Ausbildung, des Unterrichts zu bewahren, und vielleicht auch, um die wissenschaftliche Selbstständigkeit der Lehrpläne zu bewahren. Denn auch da gab und gibt es ja Anwürfe, wie Sie sicherlich verfolgt haben.
[02:07] Der VGD versucht also, mit den beiden anderen Verbänden zusammenzuarbeiten. Ich wünsche der Tagung in Bielefeld einen besten Verlauf, fruchtbare Diskussionen, gute Gespräche, einen guten Austausch. Lassen Sie uns zusammenstehen, nach außen tragen, wie wichtig das Fach Geschichte ist – nicht nur in den Sonntagsreden der Politik, sondern auch in der realen Wirklichkeit vor Ort: an den Schulen, an den Ausbildungsstätten, an den Universitäten. Und zeigen wir nach außen – ich zitiere den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst auf dem Historikertag in Bonn –, zeigen wir nach außen die, Zitat, „Superkraft“ des Faches Geschichte.
Dankeschön.
Abkürzungen: VGD = Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands · KGD = Konferenz für Geschichtsdidaktik · VHD = Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands
(Foto fehlt)
Foto KGD, freigegeben. Von links nach rechts:
Prof. Dr. Lars Deile, Prof. Dr. Antje Flüchter, Prof. Dr. Sebastian Barsch